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Hier investiert Europa in die ländlichen Gebiete
Maßnahmen zur Erhaltung, Wiederherstellung und Aufwertung kulturhistorischer Bausubstanz zum Schutz und der Erhaltung des ländlichen Kulturerbes bei Schlössern, Gutsanlagen und Parks
Schlosspark Ludwigslust - Grundinstandsetzung der Freianlagen

Grundinstandsetzung der Freianlagen im Schlosspark Ludwigslust

27.06.2018 • ELER im BBL M-V
Die Europäische Union (EU) unterstützt u. a. die Entwicklung strukturschwacher Regionen auf unserem Kontinent. Damit möchte die Gemeinschaft der 28 Mitgliedsländer unterschiedlich stark bzw. schwach entwickelte Gebiete einander angleichen. Einen Teil dieser Investitionen setzt der landeseigene Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL M-V) in Mecklenburg-Vorpommern um.

Zur historischen Gartengestaltung

Unter Herzog Friedrich nahm die Überplanung des einstigen Jagschlosses und des Dorfes Klenow Gestalt an. 1763 wurden die barocke Stadtstruktur und die Hofkirche als Pendant zum Schloss begonnen, der Neubau des Schlosses erfolgte 1772 bis 1776, und aus dem Dorf Klenow wurde Ludwigslust. Bis 1837 war das Schloß Ludwigslust erst die Hauptresidenz der Schweriner Herzöge und wurde später dann die Nebenresidenz.
Die Anfänge eines Gartens wurden unter Herzog Christian Ludwig II. um 1735 durch Johann Friedrich Künnecke angelegt, der großflächige Ausbau des Schlossparks erfolgte durch Herzog Friedrich von 1764 bis 1776 unter der Leitung von Johann Joachim Busch, gestützt auf Planungen seines Vorgängers Jean Laurent Legeay.
Um in der eigentlich trockenen Region ausreichend Wasser für die Fontänen und Kaskaden zur Verfügung zu haben, wurde von 1756 bis 1760 der 28 Kilometer lange Ludwigsluster Kanal von der Stör bis zur Rögnitz ausgehoben. Der Kanal diente zugleich als Transportweg für das benötigte Baumaterial der 1764 begonnenen Arbeiten.
Nach dem Vorbild französischer Barockgärten mit einer zentralen Hauptachse und mehreren Nebenachsen bildet die Hofdamenallee die zentrale Sichtachse, die mit Schloss und Hofkirche eine durchgehende Linie formt. Bauliche Anlagen im Park, wie der sogenannte Kaisersaal wurden ursprünglich mit Skulpturen nach antiken Vorbildern römischer Kaiser geschmückt. Diese waren aus dem Ludwigsluster Carton gefertigt und wetterfest imprägniert.
Ziervasen, Denkmäler und Büsten betonen die Schnittpunkte der Achsen oder liegen in späteren Zeiten versteckt in der Parkanlage.
Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Schlossgarten zu einem Landschaftspark umgeformt und durch Staffagebauten wie das Schweizerhaus (1789) und die Grotte (1788/ Nutzung als Eiskeller) aus Raseneisenstein ergänzt.
In den 1840er Jahren wünschte sich Herzog Friedrich Franz II. eine Erneuerung der Gartenanlagen. Dazu ließ er 1850 durch den Schweriner Hofgärtner Theodor Klett westlich des Schlosses rund um den ebenfalls in dieser Zeit geschaffenen Teepavillon den Blumengarten anlegen. Ab 1852 entwarf Lenné eine neue Parkgestaltung und verband die bis dahin voneinander getrennten alten und neuen Gartenbereiche durch ein übergeordnetes Konzept. Er schuf eine als natürlich gewachsen erscheinende Landschaft, indem er ausgedehnte Rasenflächen anlegte und die einzelnen Wasserflächen des Parks durch künstliche Bäche verband, die es im Rahmen dieser Maßnahme u. a. wieder herzustellen galt.

ELER

In der ELER-Förderperiode 2007-2013 wurden umfangreich aufgeführte Baumaßnahmen, die sich aus zwei Teilen zusammensetzten, Teil 1 Freianlagen und einem 2. Teil Hochbauliche Anlagen, erbracht.

Freianlagen

Die Sanierung der Freianlagen wurde in mehrere Teilbauabschnitte untergliedert. Im ersten Schritt wurde mit dem Denkmalplatz 'Friedrich der Fromme' begonnen.
Nach der Entnahme wild aufgewachsener Sträucher wurde ein kreisförmiger Weg von 1,50 m Breite um das Denkmal in seiner Mitte gelegt. Damit ist ein Außendurchmesser von etwa 25 m erreicht worden, ohne dass die Fichten im Norden und der wertvolle, aber geschädigte Rot-Ahorn als geschützter Baum für Eremiten im Süden, gefährdet worden wären und/oder hätten entnommen werden müssen. Die Flächen innerhalb des Weges wurden mit Rasen angesät, im Bereich des Gitters wurde eine boden- und flächendeckende Efeupflanzung umgesetzt. Von der Hofdamenallee sind aus Südwesten Blickbeziehungen zum Denkmal hergestellt worden. Den Platz begrenzen nach außen schmale Bodendecker, diese wurden in Anlehnung an historische Aufnahmen auch um das Denkmal angelegt.
Im nächsten Schritt wurde der Bereich an der Hamburger Straße realisiert. Der Weg wurde in seinen geraden Abschnitten auf die historisch nachweisbare Lage zurückgeführt, Wildefeu ist zuvor entfernt worden, auch eine Sichtschneise wurde auf diese Art zurückgewonnen. Die zur Waldseite gewandte damm- und grabenartige Ausbildung wurde wiederhergestellt. Die Eschen wurden gerodet und über die gesamte Weglänge durch Kastanien ersetzt. Die Böschungen sind mit genagelten Schattengräser- bzw. Kräutermatten belegt worden.
Am Festplatz und der Lindenallee wurde der vorhandene Kastanienbestand entfernt. Der Platz wurde komplett in wassergebundener Decke ausgeführt. Zur weiteren Aufwertung und im Sinne der Nutzung als Festplatz wurden Bänke und Papierkörbe aufgestellt.
Die Lindenallee, als gartendenkmalpflegerisch außerordentlich bedeutende und intensiv genutzte Verbindung vom Parterre zum Kirchplatz, wurde überarbeitet und die wassergebundene Decke erneuert.
Nördlich der Allee wurden einige historisch nachweisbare Gruppen von Sträuchern wieder eingefügt, um die historisch relevanten Raumstrukturen in diesem Parkareal wiederherzustellen.
Zusätzlich wurde der Stichweg von der Schlossfreiheit zur Katholischen Kirche mit Leuchten und den gleichen Stelen wie in der Hofdamenallee ausgestattet.
Als letzter Teilbauabschnitt konnten Ende 2014 die Wälle am Kanal zwischen Steinerner Brücke und Mönch übergeben werden.
Die Erdkörper wurden in strengen geometrischen Formen wiederhergerichtet und die teilweise sehr steilen Böschungen mit genagelten Rasensoden und mit Efeu sofort nach Bodenauftrag befestigt. Im Sinne einer Wiederherstellung der Wälle am Kanal war es aus Gründen des Schutzgutes Denkmal angemessen, die restlichen Altbäume zu entnehmen und neue Baumreihen einheitlich zu pflanzen. An den kanalseitigen Böschungsfüßen wurden so genannte Rasenbänke errichtet. Die Böschungsverhältnisse erforderten an den Böschungsfüßen eine bauliche Lösung in Form von Stützmauern, die seinerzeit von den Rasenbänken übernommen worden ist. Dabei wurden aus Gründen der Nachhaltigkeit die historisch verwendeten Holzpfosten durch ein inneres Stahlgerüst ersetzt, das auf Betonfundamenten aufgesetzt wurde.
Das Stahlgerüst wurde mit einem einheimischen Nadelholz verkleidet und nach dem neuesten Stand der Technik, mit dem Ziel einer tatsächlichen Dauerhaftigkeit von etwa 30 Jahren, entsprechend behandelt. Die vertikal sichtbaren Seiten wurden mit Holzbrettern verkleidet, die Fugen mit Efeu bepflanzt. Die waagerechten Oberflächen wurden mit Rasensoden abgedeckt. Die Wangen aus Sandstein wurden fachgerecht restauriert, wobei das Alter der Steine auch nach einer Restaurierung noch zu erkennen sein sollte. Sie wurden demzufolge nur fachgerecht gereinigt und entsalzt, offensichtliche Beschädigungen (Bohrungen, unsachgemäße Ausschnitte zum Beispiel für Sitzbretter, abgeschlagene Teile) sind beseitigt und die fehlenden Kugelaufsätze nach den vorhandenen Mustern nachgefertigt worden. Die Wangen wurden fachgerecht fundamentiert, die Wege mit wassergebundener Decke ausgeführt. Die Einfassungen erfolgten teilweise in unbehandeltem Schwarzstahl. Der Restbestand an Buchen wurde gefällt und die Wallkrone mit jungen Buchen bepflanzt.

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